Alexandrapol

»Parallel History« war das Thema der 6. Biennale für Bildende Kunst in Gyumri, Armenien, zu der ich zusammen mit Dietmar Bonnen, im September dieses Jahres eingeladen war. Gyumri ist vor genau 20 Jahren durch ein schweres Erdbeben nahezu komplett zerstört worden; das war auch der Anlass, diese Biennale ins Leben zu rufen, nämlich der Katastrophe eine internationale Öffentlichkeit zu geben.

Die Verwüstung ist auch heute noch an jeder Ecke zu sehen und zu spüren. Meine parallele Geschichte sollten zwei Klangkunstprojekte ausdrücken, die ich jeweils vor Ort als »Work in Progress« realisiert habe.

Projekt I ist eine Klangskulptur, die ich mit vorgefundenen Materialien in einer kleinen Autowerkstatt in der Nähe gebaut habe; sie heißt Paul. Paul wurde ein paar Tage später von Dietmar Bonnen als Musikinstrument eingesetzt. Sein Projekt war ebenfalls ein »Work in Progress«; er hatte mit einheimischen Musikern, rund um die Folkrock-Gruppe »The Bambir«, in einem Workshop grafische Partituren einstudiert, dessen Ergebnis er in einem abschließenden Konzert im Theater Gyumris präsentiert hatte. Paul wanderte danach als Geschenk in die städtische Galerie Gyumri (Steel Gallery).

Projekt II ist »Alexandra«, eine bewegte Show aus 113 Klangbildern, die ich im ehemaligen KGB-Gebäude Gyumris aufgenommen habe, das bis heute nicht wieder aufgebaut wurde und allenfalls Obdachlosen als Schutz dient. Unterlegt ist diese Show mit einer Komposition für Klangskulpturen von Dietmar Bonnen, die auf meinen Objekten bei einem Konzert in Köln gespielt und aufgenommen wurde. Nicht nur hier finden beide Projekte zusammen; einen Tag vor unserer Abreise wurden sie unter dem Titel »Alexandrapol« in der Steel Gallery im Rahmen einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert.