Photoloft 2

Erst kurz vor zwölf hab ich dann verstanden, worum es überhaupt ging. Ich hatte Photoloft für Kölschen Dialekt gehalten, die Einladung längst verklüngelt. Klang aber interessant und irgendwie auch bekannt, eben ein guter Name für etwas, das man verkaufen will; obwohl – ich brauchte im Moment kein Photoloft, mein ganzes Geld war soeben für eine neue Kamra draufgegangen. Fahr ich also mal hin, dachte ich so bei mir. Im Stau nach Köln kamen mir so einige Assoziationen, was Photoloft denn sein könnte. Loft, Loft, Loft, vielleicht Luft? Luft konnte ich mir in Kölsch noch am ehesten als Loft vorstellen.

"R" und seine Bilder"Was soll das denn wieder?", fragte sich der notorische Vernissagen-Abräumer Ernst Ollmann lautstark. Er hatte rückwärts von Hölschers "Wie würden Sie entscheiden?" abtreten wollen, um vielleicht mit gehörigem Abstand doch noch erkennen zu können, was der Künstler eigentlich hatte sagen wollen; Ernst Ollmann war, zumindest optisch, stark weitsichtig. Aber auch Abstand machte das Bild nicht schärfer, im Gegenteil: beim händeringenden Versuch einen Sturz zu vermeiden, als die Rollen von "R" seine Kniekehlen knickten, musste er wohl seine Brille so unglücklich gestreift haben, dass sie in hohem Bogen in das schon aufgescheuchte Publikum flog. Ollman ärgerte sich noch ein wenig über "R", den er nicht mehr sehen konnte, machte sich dann aber stampfend auf die Suche nach der Brille, womit deren Schicksal besiegelt war. Er dachte knirschend an Abgang. Der fand dann auch statt, jedoch nicht ohne den einen oder anderen Besucher mit zu Boden zu nehmen. Die Gesellschaft erholte sich nur zögernd.