[A]reale, Singular und Plural gleichzeitig, real und auch wieder nicht – und das ist der springende Punkt: Kunst schafft ja immer eine neue Realität, wenn sie gut ist. Ein [A]reale schafft auch eine neue Realität, es zeigt aber auch DIE Realität, jedoch auf eine Weise, wie sie für Normalsichtige gewöhnlich nicht wahrnehmbar ist, sie ist real und doch nicht real, a-real. Hölscher fotografiert ja nur das, was vorhanden ist, er verändert es nicht, "Wir müssen draußen bleiben", lässt er den Photoshop greinen, er wird hier nicht gebraucht.
[A]reale ist die logische Weiterentwicklung seiner Konzert- und Klangfotografie, für sich alleine stellt es schon die Grenzen zwischen Musik und Bildender Kunst in Frage. Jedem [A]reale ist auf gleicher Höhe ein Soundrack zugeordnet; der kann ein Fieldrecording sein, eine Filmmusik, Hintergrund, ein Lied, alles ist denkbar und wünschenswert. Klang und Bilder können gleichzeitig entstehen oder unabhängig, das Bild zuerst, dann der Klang oder umgekehrt, streng komponiert, konzeptioniert oder vollkommen frei.
[A]reale ist ein Fotoflug (aus dem englischen: Photoflight, Begrifflichkeit aus der Feder Michael Rüsenbergs, der auch schon [a]realt hat) durch einen Raum oder um ein Objekt herum, fotografiert wie Einzelbilder eines Films, in sich aber schon bewegt – die Interpretation von Bewegung und unwiederholbar. [A]reale blendet die Bilder mit einem eigens dafür programmierten und steuerbaren Algorithmus ineinander, der auch die Grenzen zwischen Video und Fotografie fließend ineinander übergehen lässt. Ein [A]reale ist aber kein Film, denn gezeigt werden die Fotos in Originalauflösung, die in Echtzeit zusammengerechnet werden.
Leander Kirchner
P.S. Die in diesem Zusammenhang gezeigten Areale sind aus technischen Gründen in das Videoformat konvertiert und haben deswegen nicht die Qualität der Originale, die größer und fließender sind. Außerdem sind einige nur als Ausschnitt zu sehen.