
Hölscher und Kucken im Ballhaus
Holz ist das Material, aus dem die. Skulpturen der Düsseldorfer Künstler
Peter Hölscher und Bernhard Kucken geschaffen sind. Doch jeder formt
aus dem Stück Natur ganz unterschiedliche Gebilde, Wandobjekte und Skulpturen,
die im Ballhaus (Nordpark) zu harmonischer Einheit verschmelzen.
Hölschers Baumfragmente werden zu schwarzen Wesen, die ganz eigentümliche
Lebendigkeit ausstrahlen. Nichts von der Vergänglichkeit, die dem Naturstoff
Holz anhaftet, ist geblieben. Die schwarz-glänzende Oberfläche scheint
die aufstrebenden, gedrungenen, ausgehöhlten oder durchbrochenen Stücke
zu verhärten; fast unvergänglich muten sie an.
Die Nägel und Maueranker, die manche Gebilde verbinden und zusammenhalten,
oder Eisenplättchen und Bänder, die Teile umschließen wie
schützende Auflagen, verstärken den Eindruck von bleibender Existenz.
Im Garather Wald stößt Hölscher, der seit 1992 mit Künstlerkollegen
im ehemaligen Schweinestall, Schloß Garath, sein Atelier hat, auf seine
Fundstücke. Das Holzstück wird in einen Ofen gelegt, die lodernden
Flammen verschlingen die porösen Teile, ein harter, beständiger
Kern bleibt übrig. Doch wird nicht alles dem Zufall überlassen.
Durch Eingriffe in den Prozeß beeinflußt Hölscher das Geschehen,
formt das Bleibende, das dann aussehen kann wie eine märchenhafte Riesenmuschel
oder ein mittelalterliches Foltergerät mit vorspringenden Eisennägeln.
Erlaubt ist jede Assoziation, denn nichts ist per Titel vorbestimmt.
An den Wandpfeilern des Saales hängen kleine Wandobjekte, die an Jäger-Trophäen,
Geweihe erinnern, womit wieder Vergänglichkeit und Dauer vereint sind.
Feingliedrige Zeichnunen begleiten die bildhauerischen Arbeiten. Kleine Wurzelmännchen
und Gnome scheinen verschlungen. Oder ist dies nur Einbildung?
Eindeutig erkennt man dagegen in Bernhard Kuckens Holz-Steten eine Ansammlung
nackter Gestalten. Barock geformte Wesen türmen sich; verschlungene und
gedrehte Körper klammern sich aneinander, als ginge es um ihr Leben,
warum auch immer. Aus dem Holzstamm erwachsen diese Szenen, die sich gerade
oder in dynamischer Drehung nach oben bewegen. Oder geht es gar nicht in die
Höhe, sondern handelt es sich um Stürzende, die sich verzweifelt
aneinanderklammern wie in Michelangelos Höllensturz im Jüngsten
Gericht der Sixtina.
Großartig schafft es Kucken, die Figuren mal körperhaft aus dem
Lindenholz herauszuarbeiten, mal sie darin verschwinden zu lassen. Das Thema
der verschlungenen Körper nimmt er auch in seine Acrylmalereien auf, überzeugender
aber in den Gouachen, wo Akte im schwarzen Umfeld sich spielerisch in abstrakte
Zeichen verwandeln.
Ilse Tjardes (Düsseldorfer Feuilleton)