Mit Milchschäumer und viel Freude am Experiment stellten Dietmar Bonnen und Peter Hölscher (v.l.) die Skulpturen vor. (Foto: Hermans)
Klangskulpturen von Peter Hölscher im »Loft« vorgestellt
EHRENFELD. Man nehme eine nicht allzu starke Metallleiste und lege sie auf einen Tisch, so dass ein Teil der Leiste über die Tischkante hinaus-ragt. Dann drücke man diesen Teil nach unten und lasse ihn nach oben schnellen. Dabei entsteht ein Geräusch – etwa plink oder ploink –, das sich je nach Beschaffenheit des Materials und Veränderungen in der Länge des überstehenden Teils in Schwingungen und sogar in einen Ton verwandeln kann. Solche nach landläufiger Meinung eher paramusikalischen Phänomene nutzt der Laie gern zu spontanen rhythmischen Kreationen, mit denen sich die Umwelt trefflich nerven lässt.
Anders Peter Hölscher: Derartige Geräusche sind ihm Inspiration und Ausgangspunkt für die Schöpfung seiner Klangskulpturen. Dabei handelt es sich um aus Holz und Metall gefertigte Objekte der Bildenden Kunst, die gleichzeitig als Musikinstrumente zu verwenden sind. Die Skulptur »Herr Berg« etwa ist im wesentlichen ein senkrecht aufgestellter Holzkörper, an dem sechs verstellbare Metallleisten befestigt sind. Die gezupften Klänge werden mittels Tonabnehmer auf eine Verstärkeranlage übertragen und können sich damit lautstärketechnisch neben Klängen aus regulären Instrumenten behaupten. So dient »Herr Berg« der Sängerin Susanne Hille als Begleitinstrument bei Soloauftritten: »Sie hat die ,Saiten' auf ihre Lieblingstöne Fis, G, C, D, H und A gestimmt", berichtet Hölscher, ,und untermalt damit ihre experimentelle Mischung aus Opernarie, Volkslied und Rocksong.”
Wie Hölschers Skulpturen im Zusammenspiel klingen, erfuhren kürzlich die Besucher des Ehrenfelder »Lofts«, als Musiker aus dem Umfeld des Obst-Labels »Ben und seine Freunde« im Konzert vorstellten. Kontrabassist Andreas Schilling und Pianist Dietmar Bonnen hatten Hölschers Werke ebenso wie Hille schon des öfteren bei Auftritten und CD Aufnahmen eingesetzt. »Ben« zum Beispiel ist ein komplexer Mechanismus, bei dem ein Draht in einem Holzgehäuse durch eine Eisenstange in Schwingung versetzt wird. »Sheffield« besteht aus den Innereien eines Klaviers, dessen Saiten gezupft oder mit Klöppeln bearbeitet werden. Die entstehenden Klänge werden dann mittels eines Kontaktmikrofons, dasauf einem Hebel an den Saiten entlanggeführt wird, verstärkt und verzerrt. Bei anderen der insgesamt sieben Skulpturen – mit Namen wie »Leon«, »TEE«, »News« und »Anna« - werden die Klänge erzeugt, indem man etwa mit einer Bürste über eine Stahlplatte reibt oder an einer Metallfeder entlangfährt.
Die Klopf- und Kratzgeräusche, das Wischen, Reiben und Ratschen verbanden die Musiker teilweise - etwa in Bonnens »Solovki« – mit konventionellen Instrumenten wie Bass oder Klarinette. Beim Stück »Zyklus« wurden alle sieben Klangskulpturen eingesetzt, wobei Bonnen die Klaviersaiten mit einem aus der Cappucino-Bar bekannten batteriebetriebenen Milchschäumer bearbeitete: »Das Stück haben Andreas Schilling und ich 1989 geschrieben«, so Bonnen. »Für andere Instrumente allerdings, diese hier gab's damals ja noch nicht.«
Hans-Martin Müller, Hausherr im »Loft«, fühlte sich aufgrund des hohen Geräuschfaktors an die »Einstürzenden Neubauten« erinnert - abzüglich Punk-Attitüde und schwülstiger Texte natürlich. Auch Peter Hölscher findet seine Instrumente schließlich im Zivilisationsschrott. »Die Klaviersaiten stammen aus einem Flügel, der einfach aus dem Fenster geworfen wurde. Bei den anderen Einzelteilen weiß ich gar nicht, wozu sie ursprünglich genutzt wurden. Ich arbeite in den Stallungen eines alten Schlosses bei Düsseldorf, da liegt sowas eben 'rum.«